Zwei halbe Kokosnussschalen, jeweils mit einem exotischen Salat, symbolisch für die Übertragung von Typhus über kontaminierte Lebensmittel oder Wasser.

Typhus

Typhus stellt nach wie vor ein erhebliches globales Gesundheitsproblem dar, insbesondere in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu sauberem Trinkwasser und angemessenen sanitären Einrichtungen. Jährlich erkranken rund 9 Millionen Menschen an Typhus, etwa 110.000 sterben daran.1,2

Was ist Typhus?

Typhus ist eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die durch das Bakterium Salmonella Typhi (S. Typhi) verursacht wird.1

Zu den Symptomen zählen anhaltendes Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen sowie Verstopfung oder Durchfall. Bei einigen Betroffenen tritt außerdem ein Hautausschlag auf. Schwere Fälle können zu schwerwiegenden Komplikationen oder sogar zum Tod führen.1

Typhus kann antibiotisch behandelt werden; die Therapie wird jedoch durch die mittlerweile weit verbreiteten Antibiotikaresistenzen erheblich erschwert.1 Insbesondere in Pakistan wird ein alarmierender Anstieg multiresistenter (MDR) und extensiv resistenter (XDR) Salmonella-Typhi-Stämme beobachtet. MDR ist definiert als Resistenz gegen Ampicillin, Trimethoprim-Sulfamethoxazol und Chloramphenicol. XDR-Stämme weisen dagegen eine Resistenz gegen Chloramphenicol, Ampicillin, Cotrimoxazol, Fluorchinolone sowie Cephalosporine der dritten Generation auf.3

 

Familie mit Mutter, Vater, Junge und Mädchen sitzt am Strand und trinkt gemeinsam aus einer Kokosnuss, jeder mit eigenem Strohhalm.
Jedes Jahr erkranken 9 Millionen Menschen an Typhus, 110.000 Menschen sterben daran.¹

Wie wird Typhus übertragen?

Das Bakterium S. Typhi wird in der Regel über kontaminierte Lebensmittel oder Wasser übertragen. Nach der Aufnahme vermehren sich die Bakterien und breiten sich über den Blutkreislauf aus.1 Der Mensch ist das einzige bekannte Reservoir von S. Typhi.3 Es gibt weder tierische noch Umweltreservoirs.4

Schematische Darstellung eines Körpers: S.Typhi-Bakterien, dargestellt als rote Stäbchen, werden über ein Glas Wasser aufgenommen und über den Blutkreislauf verteilt.
Nach der Aufnahme von S. Typhi vermehren sich die Bakterien und verteilen sich über den Blutkreislauf im Körper.1

 

Globale Inzidenz

Typhus ist in verschiedenen Ländern verbreitet, insbesondere in Südasien, Afrika, Lateinamerika sowie im östlichen Mittelmeer- und westlichen Pazifikraum.1,4,5 Zu den Ländern mit hoher Typhusbelastung zählen unter anderem Pakistan, Indien, Nepal, und Bangladesch.4,5 Reisende in endemische Regionen – insbesondere nach Asien und Subsahara-Afrika – haben ein erhöhtes Risiko, an Typhus zu erkranken.6

Karte des Typhus-Vorkommens mitaltersstandardisierten Raten (ASR) zum Vergleich verschiedener Bevölkerungsgruppen.
Die altersstandardisierte Rate (ASR) passt Inzidenzraten an eine Standard-Altersverteilung an und ermöglicht so den Vergleich verschiedener Bevölkerungsgruppen unabhängig von ihrer Altersstruktur.7 Abbildung adaptiert nach: Liu G et al.

In Pakistan ist ein weitgehend arzneimittelresistenter Stamm (XDR) von S. Typhi mittlerweile die häufigste Ursache für Typhus.8 Diese Stämme haben sich auf andere Kontinente ausgebreitet; reiseassoziierte Fälle wurden unter anderem in Europa, Nordamerika, Australien und Ostasien berichtet.8,9

Antibiotikaresistente Stämme

Antibiotikaresistente Stämme von S. Typhi geben zunehmend Anlass zur Sorge3

Die zunehmende Resistenz von S. Typhi gegenüber Antibiotika erschwert die Behandlung von Typhus und begünstigt die Ausbreitung in Gemeinden mit eingeschränktem Zugang zu sauberem Trinkwasser und angemessenen sanitären Einrichtungen.1 Urbanisierung und Klimawandel können die Verbreitung zusätzlich fördern.1 Dies unterstreicht die Relevanz der Prävention durch Impfungen.

  • In Asien war 2015–2018 etwa ein Drittel der -Typhi-Isolate multiresistent (MDR).9
  • Globale Daten der letzten 30 Jahre zeigen eine Zunahme antibiotikaresistenter Typhi-Stämme, u. a. mit einem Anstieg der Gesamtprävalenz von MDR in Subsahara-Afrika (6 % in 1990 auf etwa 73 % in 2019) sowie einer Prävalenz von gegen Cephalosporine der dritten Generation resistenten S. Typhi-Stämmen von rund 61 % in Pakistan (2019).10
  • In den USA wurden in den letzten Jahren erstmals Fälle weitgehend arzneimittelresistenter Stämme berichtet, unter anderem auch bei Personen ohne internationale Reiseanamnese in den 30 Tagen vor Erkrankungsbeginn, was auf lokal erworbene Infektionen hindeutet.4
Karte der Länder mit dokumentiertenimportierten XDR-Typhus-Fällen, ausgehend von der Hauptmanifestation in Pakistan.
Ausgehend von der Hauptmanifestation in Pakistan wurden weltweit in zahlreichen Ländern importierte Fälle von XDR-Typhus dokumentiert.8 Abbildung adaptiert nach: Walker J et al.
1

Anzeichen und Symptome

Die Symptome treten 6 bis 30 Tage nach der Infektion mit S. Typhi auf. Der Krankheitsbeginn ist schleichend mit allmählich zunehmender Müdigkeit und täglich steigendem Fieber auf bis zu 40 °C.4

2

Weitere mögliche Symptome sind unter anderem:1,4

  • Anhaltendes hohes Fieber
  • Kopfschmerzen und Unwohlsein
  • Übelkeit und Bauchschmerzen
  • Durchfall oder Verstopfung
  • Fatigue
  • Muskelschmerzen
  • Trockener Husten
  • Halsschmerzen
  • Hautausschlag (selten)
3

Obwohl die meisten Typhus-Fälle mild verlaufen, können bei einem Teil der Betroffenen schwerwiegende Komplikationen wie Darmperforationen, gastrointestinale Blutungen, Hepatitis, Cholezystitis, Myokarditis oder Enzephalopathie bis hin zum Tod auftreten.4

4

Während die meisten Symptome vollständig abklingen, entwickeln etwa 2–5 % der Betroffenen einen chronischen Trägerstatus mit persistierender fäkaler Ausscheidung von S. Typhi.1

Wer ist gefährdet?

Alle Reisenden in Endemiegebiete sind einem potenziellen Risiko für Typhus ausgesetzt. Das Risiko ist besonders hoch in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu sauberem Trinkwasser und angemessenen sanitären Einrichtungen.1

Reisende der folgenden Gruppen und unter den folgenden Umständen können einem höheren Risiko ausgesetzt sein:

  • Besuch von Freunden und Familie, insbesondere wenn die Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen bezüglich Lebensmittel und Wasser erschwert ist.4
  • Kinder sind besonders gefährdet.1
  • Längere Aufenthalte in Endemiegebieten; Infektionen wurden jedoch auch bei Aufenthalten von weniger als einer Woche in hochendemischen Regionen dokumentiert.4
Familie mit Vater, Mutter und Kind (auf Papas Schultern) beim Sightseeing vor einem Tempel, im Hintergrund Palmen bei Sonnenschein.
Etwa 85 % der Typhusfälle in den Vereinigten Staaten treten bei internationalen Reisenden auf.⁴

Behandlung und Prävention von Typhus

Typhus kann mit Antibiotika behandelt werden. Die Therapie wird jedoch zunehmend durch die Resistenz von S. Typhi gegen verschiedene Antibiotikaklassen erschwert.¹ Der enge Zusammenhang zwischen bakterieller Resistenz und Antibiotikamissbrauch ist gut dokumentiert und stellt ein ernstes Problem für die öffentliche Gesundheit dar.3

Empfohlene Antibiotika zur Behandlung von Typhus hängen von der Resistenzsituation ab. Ältere Wirkstoffe wie Ampicillin, Chloramphenicol und Trimethoprim-Sulfamethoxazol werden meist nur dann eingesetzt, wenn die Empfindlichkeit bestätigt ist, da MDR-Stämme bereits seit Jahrzenten weit verbreitet sind. Fluorchinolone (z. B. Ciprofloxacin) gelten weiterhin als Mittel der Wahl bei empfindlichen Stämmen, während Azithromycin und Ceftriaxon in den meisten Regionen weiterhin wirksam sind.3

XDR-Typhi-Stämme, die gegen mehrere Antibiotikaklassen resistent sind, wurden insbesondere in Pakistan beschrieben; zur Behandlung kommen je nach Fall Azithromycin oder Carbapeneme in Betracht.4

 

Um einer Übertragung vorzubeugen, sollten präventive Maßnahmen beachtet werden. Dazu gehören:6

  • Vollständige Einnahme der verschriebenen Antibiotikatherapie
  • Gründliches Händewaschen nach dem Toilettengang
  • Personen, die in Behandlung sind, sollten nach Möglichkeit keine Speisen zubereiten oder servieren
  • Nach Abschluss der Therapie sollte überprüft werden, ob S. Typhi vollständig eliminiert wurde
Schematische Abbildung mit Symbolen für präventive Maßnahmen gegen Typhus: Besteck in Schüssel mit Häkchen, Wasserhahn mit Händewaschen und Arzttasche
Präventive Maßnahmen gegen Typhus gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt Reisenden in Endemiegebiete eine Typhusimpfung. Eine Impfung sollte mindestens eine Woche vor Abreise mit dem oralen Lebendimpfstoff bzw. mindestens zwei Wochen vor Abreise mit dem injizierbaren Totimpfstoff abgeschlossen sein.5,11

Es stehen derzeit verschiedene Impfoptionen gegen Typhus zur Verfügung, die je nach Alter und individueller Situation ausgewählt werden können. In Deutschland sind sowohl ein parenteraler Vi‑Totimpfstoff als auch ein oraler Lebendimpfstoff zugelassen und werden laut STIKO als Reiseimpfung empfohlen.5

Der orale Lebendimpfstoff ist für Personen ab fünf Jahren zugelassen. Die Grundimmunisierung umfasst jeweils eine Kapsel an den Tagen 1, 3 und 5.11 Der parenterale Vi‑Totimpfstoff wird als Einzeldosis intramuskulär oder subkutan verabreicht und ist ab 2 Jahren verfügbar.5

Find out more

17. March 2026

  1. World Health Organization (WHO). Typhoid. Zuletzt abgerufen: Januar 2026 https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/typhoid
  2. Chen J et al. Taking on Typhoid: Eliminating Typhoid Fever as a Global Health Problem. Open Forum Infect Dis. 2023;10(Suppl 1):S74-81.
  3. Shaikh OA et al. Antimicrobial resistant strains of Salmonella typhi: The role of illicit antibiotics sales, misuse, and self-medication practices in Pakistan. J Infect Public Health. 2023;16(10):1591-1597.
  4. Hughes M et al. Typhoid & paratyphoid fever. CDC Yellow Book 2024: Health Information for International Travel. Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Zuletzt abgerufen: Januar 2026 https://www.cdc.gov/yellow-book/hcp/travel-associated-infections-diseases/typhoid-and-paratyphoid-fever.html
  5. Robert Koch Institut (RKI). Epidemologisches Bulletin 14/2025. Zuletzt abgerufen: Januar 2026 https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches-Bulletin/2025/14_25.pdf?__blob=publicationFile
  6. World Health Organization (WHO). Typhoid Overview. Zuletzt abgerufen: Januar 2026 https://www.who.int/health-topics/typhoid#tab%3Dtab_1
  7. Liu G et al. The global burden of typhoid and paratyphoid fever from 1990 to 2021 and the impact on prevention and control. BMC Infect Dis. 2025;25(1):919.
  8. Walker J et al. Assessing the global risk of typhoid outbreaks caused by extensively drug resistant Salmonella Typhi. Nat Commun. 2023;14(1):6502.
  9. Marchello CS et al. A Systematic Review on Antimicrobial Resistance among Salmonella Typhi Worldwide. Am J Trop Med Hyg. 2020;103(6):2518-27.
  10. GRAM Typhoid Collaborators. Estimating the subnational prevalence of antimicrobial resistant Salmonella enterica serovars Typhi and Paratyphi A infections in 75 endemic countries, 1990-2019: a modelling study. Lancet Glob Health. 2024;12(3):e406-e418.
  11. Typhoral® L Fachinformation. Stand: 08/2023.