FSME-Zecke-Rasen-Wanderer

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

FSME ist eine durch Zecken übertragene Virusinfektion des zentralen Nervensystems, die in vielen Teilen Europas endemisch ist und schwere gesundheitliche Folgen haben kann. FSME stellt ein zunehmendes Problem für die öffentliche Gesundheit dar, das durch höhere Impfraten und einen aktiven Impfstatus in der Bevölkerung erheblich verringert werden könnte.1-2

Was ist FSME?

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine potenziell lebensbedrohliche Virusinfektion des zentralen Nervensystems, die hauptsächlich durch Zeckenstiche übertragen wird. Das FSME-Virus gehört zur Familie der Flaviviridae.2,3

FSME ist in vielen Teilen Europas verbreitet: 28 Länder meldeten zuletzt FSME-Erkrankungen an das ECDC,  darunter 20 europäische Länder2. Jedes Jahr werden etwa 10.000–15.000 klinische FSME-Fälle gemeldet. Die Zahl wird jedoch wahrscheinlich unterschätzt, da häufig keine Meldepflicht für die Erkrankung besteht.1,3

Wie wird FSME übertragen?

Das primäre Erregerreservoir sind kleine Nagetiere. Die Übertragung erfolgt durch Zeckenstiche (meist Ixodes ricinus). In seltenen Fällen kann die Infektion auch durch den Verzehr von Rohmilch infizierter Tiere erfolgen.2,3

Weltweit sind hauptsächlich drei Subtypen des FSME-Virus für Erkrankungen verantwortlich: der westliche, der sibirische und der fernöstliche Subtyp.5

Bei Waldbesuchern besteht ein 4–5 Mal höheres Risiko für Zeckenkontakte als bei anderen Personen.6 In FSME-Endemiegebieten ist das Risiko insbesondere für Personen erhöht, die sich im Rahmen von Freizeitaktivitäten in der Natur aufhalten (z. B. Zelten, Wandern, Angeln, Gartenarbeit) oder aufgrund ihrer beruflichen Tätigkeit einer erhöhten Zeckenexposition ausgesetzt sind (z. B. Militärangehörige, Jäger, Forst- und Landwirte).5

In Mitteleuropa wird die höchste Zeckenaktivität zwischen April und November beobachtet. Aufgrund milder Winter können Zecken auch ganzjährig aktiv sein. 1,5

In allen Altersgruppen sind Männer häufiger betroffen als Frauen.7

Erwachsene erkranken häufiger als Kinder.1,7 Die Impfquoten in deutschen Risikogebieten weisen deutliche Altersunterschiede auf. Dies ist besonders relevant, da im Vergleich zu Kindern ältere Menschen ein deutlich höheres Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs haben und Komplikationen oder bleibende Schäden erleiden können.7

FSME ist in vielen Teilen Europas und Asiens endemisch und gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Reisemedizin. Bei Personen mit entsprechender Reise- oder Expositionsanamnese sollte FSME daher in die Differenzialdiagnose von ZNS-Infektionen einbezogen werden.1

FSME Maus
Primäres Erregerreservoir und Hauptwirte des FSME-Virus (FSMEV) in der Natur sind kleine Nagetiere (z.B. Wühlmäuse und Mäuse). Die Übertragung auf den Menschen erfolgt durch einen Zeckenstich (Ixodida sp.).1,4

FSME Zecke
Infizierte Zecken finden sich in Waldgebieten, einschließlich Laubwäldern und Übergangszonen
zwischen Wäldern, Büschen und im Grasland.4

FSME Rohmilch
Etwa 1% aller FSME-Infektionen beim Menschen werden wahrscheinlich durch den Konsum
virusinfizierter Rohmilch oder von Rohmilchprodukten infizierter Tiere, insbesondere Ziegen, übertragen.1

Symptome & Verlauf

Da das klinische Bild der FSME unspezifisch ist, erfordert die Diagnose einer FSME einen labordiagnostischen Nachweis des Virus.5 Da keine spezifische antivirale Therapie gegen FSME zur Verfügung steht, erfolgt die Behandlung symptomorientiert und unterstützend. Schwere Verlaufsformen mit meningoenzephalitischer Beteiligung oder Lähmungen erfordern eine intensivierte medizinische Betreuung.

FSME verläuft oft in zwei Phasen:

1

1. Phase:

grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopfschmerzen etc.

2

2. Phase:

neurologische Symptome wie Meningitis und/oder Enzephalitis

Die höchste Zeckenaktivität in Europa wird zwischen April und November beobachtet; vereinzelt werden jedoch auch sporadische FSME-Fälle während der kälteren Jahreszeit berichtet.1,5

Eine Impfung sollte vor Beginn der Zeckensaison erfolgen.8

Für eine vollständige Grundimmunisierung und langfristigen Immunschutz sind 3 Impfdosen notwendig sowie regelmäßige Auffrischimpfungen.8

Wer ist gefährdet?

Besonders gefährdet sind Menschen, die sich häufig in der Natur, in Wäldern und Grüngebieten, wie Stadtparks oder dem heimischen Garten aufhalten. Bei Waldbesuchern besteht ein 4–5 Mal höheres Risiko für Zeckenkontakte.6

Die FSME stellt in ganz Europa ein zunehmendes Gesundheitsproblem dar und Endemiegebiete weiten sich aus.1

FSME in Europa

  • In den endemischen Regionen Europas ist in den letzten Jahrzehnten ein deutlicher Anstieg der FSME-Fallzahlen beim Menschen zu beobachten.6
  • Der Anstieg der gemeldeten FSME-Inzidenzraten wird als Folge eines komplexen Zusammenspiels sozialer und ökologischer Faktoren sowie eines verbesserten medizinischen Bewusstseins und einer fortschreitenden Diagnostik angesehen.6

Mehr als die Hälfte (≈ 60%) der 2022 gemeldeten FSME-Fälle entfiel auf vier Länder mit besonders hohen Fallzahlen: Deutschland, Tschechien, Litauen und Schweden.2 In Deutschland werden kontinuierlich weitere Landkreise als FSME-Risikogebiete ausgewiesen; aktuell sind 185 Stadt- und Landkreise vom Robert Koch-Institut als Risikogebiete definiert.9

Wenn ein Zeckenstich schwerwiegende Folgen hat

In diesem Video berichtet Dirk Abel, wie sich die FSME-Infektion seiner Tochter Emily bemerkbar machte, und welche Auswirkungen ihre Erkrankung bis heute hat. Die Geschichte von Emily zeigt, dass FSME über unspezifische Anfangssymptome hinausgehen und zu ernsthaften neurologischen Erkrankungen führen kann.

Schutz gegen FSME

Der zuverlässigste Schutz und damit die wirksamste Prävention gegen FSME ist die Impfung. Für eine vollständige Grundimmunisierung sind 3 Impfdosen erforderlich, die entsprechend verschiedener Impfschemata in unterschiedlichen Zeiträumen verabreicht werden. Um den Immunschutz langfristig zu erhalten sind regelmäßige Auffrischimpfungen notwendig.8

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt eine Impfung gegen FSME für:7,9

  • Personen, die in FSME-Risikogebieten wohnen oder arbeiten und Zecken-exponiert sind oder sich in FSME-Risikogebieten aufhalten oder dorthin reisen
  • Personen, die durch FSME beruflich gefährdet sind (exponiertes Laborpersonal sowie in Risikogebieten, z. B. Forstarbeiter und Exponierte in der Landwirtschaft)
  • Personen, die in FSME-Risikogebieten außerhalb Deutschlands Zecken-exponiert sind

Auch die WHO und das ECDC empfehlen die Impfung für Personen in FSME-Risikogebieten.2,3

Weitere Informationen

20. March 2026

  1. Bogovic P, Strle F. World J Clin Cases. 2015;3(5):430–441.
  2. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), Tick-borne encephalitis – Annual Epidemiological Report for 2022, letzter Aufruf: März 2026 https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/tick-borne-encephalistis-annual-epidemiological- report-2022_0.pdf
  3. World Health Organization (WHO), Tick-borne encephalitis, letzter Aufruf: März 2026 https://www.who.int/health-topics/tick-borne-encephalitis#tab=tab_1
  4. ECDC, Ixodes ricinus – Factsheet, letzter Aufruf: März 2026 https://www.ecdc.europa.eu/en/disease-vectors/facts/tick-factsheets/ixodes-ricinus
  5. European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC), Tick-borne encephalitis – Factsheet, letzter Aufruf: März 2026 https://www.ecdc.europa.eu/en/tick-borne-encephalitis/facts/factsheet
  6. Mansfield KL et al. J General Virology. 2009;90:1781–1794
  7. Robert Koch-Institut (RKI), Epidemiologisches Bulletin 09/2026, letzter Aufruf: März 2026 https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches- Bulletin/2026/09_26.pdf?__blob=publicationFile&v=4
  8. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), FSME – Frühsommer-Meningoenzephalitis (Impfung für Erwachsene), letzter Aufruf: März 2026 https://www.infektionsschutz.de/impfen/fuer-erwachsene/fsme-fruehsommer-meningoenzephalitis/
  9. Robert Koch-Institut (RKI), Epidemiologisches Bulletin 04/2026, letzter Aufruf: März 2026 https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Epidemiologisches- Bulletin/2026/04_26.pdf?__blob=publicationFile&v=6